Sämtliche Arbeitsprozesse auf den Prüfstand gestellt

18.02.2019
Sämtliche Arbeitsprozesse auf den Prüfstand gestellt

Als erstes SHK-Unternehmen im Rheinisch-Bergischen Kreis erhält die Bergisch Gladbacher Knickenberg & Vierkotten GmbH das TÜV-Siegel „Profi im Handwerk“. Ein Bericht über den aufwendigen, aber lohnenswerten Prozess.

Die Anforderung klingt einfach: Belegen sie bitte, dass sie dieses Qualitätsmerkmal erreichen. „Ich hab’ angefangen alles zusammenzuschreiben, was wir gemacht haben“ erinnert sich Nadine Vierkotten. Am Ende waren es zwei Ordner, die sie beim TÜV einreichte. „Meine Güte, da ist ganz schön viel zusammengekommen, sagt die 42-Jährige lachend. Am 15. Februar 2019 wurde der Geschäftsführerin der Bergisch Gladbacher Knickenberg & Vierkotten GmbH das TÜV-Siegel „Profi im Handwerk“ überreicht.

Drei Jahre dauerte der Entwicklungsprozess. „Wir hätten schon im vergangenen Jahr soweit sein können, doch wir hatten einfach zu viel zu tun und haben eine Pause eingelegt“, sagt Nadine Vierkotten. Seit 2012 ist sie verantwortlich für den kaufmännischen Bereich des traditionellen Heizung-, Sanitär- und Elektrofachbetriebes im Gewerbegebiet West. Seit drei Jahren ist sie die Chefin. Gegründet wurde die Firma vom Großvater ihres Mannes. Lange arbeitete sie in der Buchhaltung, hatte aber zunächst Bedenken, als der Schwiegervater ihr die Leitung anbot: „Ich bin BWLer und kein Techniker“, begründet sie ihre Zweifel. Deshalb holte sie sich Unterstützung, als sie die Führung übernahm. „Das TÜV-Zertifikat war gar nicht mein Ziel, ich wollte ursprünglich nur lernen, wie man den Laden ordentlich führt.“

Profi im Handwerk

Das Zertifikat „Profi im Handwerk“ ist eine Auszeichnung, die vom TÜV vergeben wird. Zuvor durchläuft das Unternehmen eine zweijährige Qualifizierungsphase, die alle Unternehmensbereiche erfasst. Das Prüfverfahren basiert auf den Grundelementen aus der Qualitätsmanagement-Norm DIN EN ISO 9001. Im Fokus liegen Unternehmensziele, Dokumentations-Anforderungen, Mitarbeiterentwicklung sowie Kundenrückmeldungen. Die qualifizierten Betriebe werden alle zwei Jahre erneut überprüft.

Die Betriebswirtin suchte Hilfe bei Praktikern. „Ich wollte die Firma ganzheitlich durchchecken zu lassen“, so ihre Grundidee. Die Fragen, die Vierkotten vom Team Steffen aus Alsdorf gestellt bekam, verblüfften sie allerdings: Was wollen sie persönlich? Und wo wollen sie in 20 Jahren als Chefin stehen? „Das war eine völlig andere Fragestellung, als ich erwartet hatte“, erinnert sich. „Zwar hatte ich eine ungefähre Vorstellung, doch sie konkret zu formulieren und darauf hinzuarbeiten, ist etwas ganz anderes.“ Zudem, so bekam sie zu hören, müsse sie die gesamte Belegschaft mit ins Boot holen.

Team Steffen AG

Die Team Steffen AG in Alsdorf entstand aus dem 1983 gegründeten Handwerksbetrieb für Gas- und Wassertechnik und ist heute ein mittelständisches Handwerksunternehmen mit den Geschäftsbereichen Gebäudetechnik für Privat- und Gewerbekunden sowie Industrietechnik. In den 1990er Jahren bot das Unternehmen praxisorientierte Seminare für „Modernes Management im Handwerk“ an. Aus den Seminaren entwickelte sich ein ganzheitliches Qualifizierungsmodell. Seit 2016 firmiert die AKADEMIE ZUKUNFT HANDWERK als eigenständiges Schwesterunternehmen der Team Steffen AG.

Inzwischen wurde eine neue Form der Kommunikation etabliert: Bei regelmäßigen ZDF-Treffen geht es um Zahlen, Daten, Fakten. Die gesamte Belegschaft wird über den aktuellen Stand der Firma informiert, die Planungen für die nächsten Wochen in allen Unternehmensbereichen besprochen und gemeinsam aktuelle Problemlösungen erarbeitet. „Die Mitarbeiter nehmen das sehr gerne an, sie wollen wissen, wie wir stehen, was wir vorhaben und haben die Erfahrung gemacht, dass wir ihre Ideen aufgreifen“, sagt Vierkotten. Zudem habe sich das Arbeitsklima in vielen Bereichen verbessert.

Innerhalb des Entwicklungsprozesses wurden 20 Themenbereiche unter die Lupe genommen. „Die Meetings starteten um 15 Uhr und wir haben so lange diskutiert, bis wir fertig waren“, erzählt Vierkotten. Danach wurde der Grill im Garten angeschmissen. „Im Besprechungsraum war es sehr konzentriert. Mit einem Würstchen in der Hand ging es dann oft weiter, nur spricht man dann anders über die Themen.“ Die gemeinsam erarbeiteten Veränderungen zogen sich durch den gesamten Betrieb. Von der Anschaffung eines neuen EDV-Systems, der Ausarbeitung neuer Dokumente bis hin zur Auflösung des 400 Quadratmeter großen Lagers. „Wir haben festgestellt, dass wir das eigentlich nicht mehr brauchen und die Konsequenzen gezogen“, sagt Vierkotten. Stattdessen wurde unter anderem eine neue Stelle für den zentralen Einkauf eingerichtet. „Das hat uns enormen Aufwind gebracht“, so die 42-Jährige. „Früher mussten die Projektleiter sich selber um das benötigte Material kümmern und hatten oft keine Zeit Preise zu vergleichen.“ Jetzt können sich die Projektmanager besser auf ihre Aufgaben konzentrieren und die Konditionen für das Material haben sich verbessert. Auch für die Erstellung der Revisionsunterlagen wurde ein neuer Arbeitsplatz geschaffen. Das bedeutet mehr Luft für die Techniker.

Sämtliche Arbeitsprozesse der Firma wurde auf den Prüfstand gestellt und gemeinsam optimiert. Die Zufriedenheit von Mitarbeiter und Kunden stiegen, das Unternehmen wuchs von 20 auf 32 Mitarbeitern. Die Auszeichnung stand nicht im Fokus der Entwicklung, spiegelt aber die Kompetenz des Unternehmens wider. Durch die Zertifizierung ist der Betrieb auch für größere Firmen interessant geworden. „Die sind immer mehr Regularien unterworfen, die wir bedienen und durch das Zertifikat auch belegen können.“

Dass die letzten drei Jahre anstrengend waren, verhehlt Vierkotten nicht. „Der Prozess hat Nerven gekostet. Und jede Menge Zeit, meine und die der Mitarbeiter.“ Doch auf den Lorbeeren ausruhen, will sich die Unternehmerin nicht. Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ist ihr oberstes Ziel die Mitarbeiterzufriedenheit. Deshalb will sich ihr Unternehmen zum 1a-Arbeitgeber auszeichnen lassen. Wie sie Ziele definiert und erreicht, weiß Vierkotten aus Erfahrung: „Nur wenn man weiß, wo man steht und wo man hinwill, kann man sein Ziel erreichen“.

Autor: Elke Landschoof
Fotos: Nadine Vierkotten, Elke Landschoof
Foto oben, fotografiert von Volker Strüh: 
Sie nahmen die Auszeichngn entgegen (v.l.n.r.): Wolfgang Klippel (stellv. Leiter Geschäftsbereich Kundendienst), Claudia Anfuso (Leiterin Einkauf & Lagerorganisation), Nadine Vierkotten (Geschäftsführerin), Judith Psyk (Leiterin Geschäftsbereich Innendienst), Frank Esser (Leiter Geschäftsbereich Großprojekte)

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