Hotspot für aktuelle Kunst

12.02.2021
Hotspot für aktuelle Kunst

Galerie Partout® Kunstkabinett mit Spannbreite von klassisch bis modern: Gemälde, Skulpturen, Fotoprints, Installationen, Grafik, Textiles, Spaceart … 

„Kunst und Kultur sind, in einem sehr buchstäblichen Sinn, Lebensmittel.“ Das erklärte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Mai 2020, als die Corona-Pandemie Deutschland erstmals fest im Griff hatte. Doch auf Kunst muss, anders als auf die übrigen Lebensmittel des täglichen Bedarfs, auch während der zweiten Welle verzichtet werden. Kultureinrichtungen sind virusbedingt geschlossen. Das trifft auch die Galerie Partout® in Bergisch Gladbach-Herkenrath. Doch sie lässt sich nach ihrem vielversprechenden Start in 2019 von der Extremlage nicht einschüchtern und setzt weiterhin auf den regionalen Kunstmarkt – inklusive telefonischer Beratung und online-Kauf. 

Glücksmoment in Corona-Tagen

Das weiße Jugendstilhaus fällt am Straßenrand direkt ins Auge. Das verlockte schon manchen, neugierig durch die hell erleuchteten Fenster zu spinksen, um einen Blick auf das zu werfen, was Dr. Ursula Clemens-Schierbaum in ihrer Galerie Partout® ausstellt. „Ein Unternehmer kaufte auf diese Weise sogar ein Bild“, erzählt die Galeristin von einem Glücksmoment in mageren Corona-Lockdowntagen. „Es ist wirklich schwierig“, skizziert sie die Geschäftslage. Zum Glück hat sie sich bereits solch einen guten Namen gemacht, dass Kunstinteressierte bisweilen Kontakt per E-Mail suchen – und auf diesem Weg im Januar eine Bronzeskulptur nach Köln verkauft wurde.

Keine Liebhaberei, sondern eine Firma

Die Galeriearbeit in Herkenrath startete mit einer ersten Ausstellung Anfang 2019, doch die 57-jährige Inhaberin hat ihre Liebe zur Kunst schon viel früher entdeckt. Sie studierte und promovierte in Kunstgeschichte, übernahm unter anderem kunsthistorische Führungen und Vorträge, publizierte, sicherte, katalogisierte und dokumentierte Kunstwerke, konzeptionierte und realisierte Ausstellungen, unter anderem im Kölner Pfandhaus. Ihr Weg führte Dr. Ursula Clemens-Schierbaum nach 13 Jahren in ihren Heimatort Herkenrath zurück, wo sie 2011 das Unternehmen Partout® Kunstgeschichte mit dem Partout® Kunstkabinett gründete. „Ich habe immer mit der Kunst gearbeitet. Jetzt wollte ich es noch professioneller machen – mit einem Namen, Briefpapier.“ Denn, so betont die Galeristin: „Meine Arbeit ist keine Liebhaberei, sondern Beruf.“ Und das ist ganz und gar ihr Ding. 

Einst Werkhalle des Großvaters

Der Traum der eigenen Galerie hat sich auf rund 280 Quadratmetern im Erdgeschoss des Hauses erfüllt, in dem sie zuvor nur zwei Büroräume gemietet hatte. „Ich habe eine große Verbindung zu diesen Räumen“, gesteht Dr. Ursula Clemens-Schierbaum. Das Gebäude ist ihr Elternhaus, erbaut vom Urgroßvater. In den vier Kabinetträumen und der großen Ausstellungshalle, wo jetzt vielseitige Kunst Betrachter anzieht, betrieb ihr Urgroßvater eine Schreinerei, die ihr Opa in einen Werkzeugbau mit kunststoffverarbeitendem Betrieb wandelte. „Bis vor drei Jahren produzierte mein Bruder in der Halle Kunststoffteile.“

Mal intimes Kabinett, mal Industriecharme

Wer bei Partout® eintritt, taucht ein in eine facettenreiche Welt. Einerseits präsentiert Kunst sich fast intim in kleinen Kabinetten, andererseits geht sie in luftiger Atmosphäre der 50er-Jahre-Fabrikhallen eine spannungsreiche Alliance mit industriellen Relikten ein. Auf der einen Seite betrachten Besucher Werke zwischen Parkettböden, Spots und weißen Wänden – im Moment die teilweise hinterleuchteten digitalen Collposings aus der Serie „Europäische Metropolen“ von Wolfgang Neisser. Auf der anderen Seite erleben sie Kunst neben Wasserrohren, Steckdosen, Beton und klassisch grün lackierten Stahlträgern – ein derzeit großartig kontrastierendes Ambiente für die Ölgemälde von Bettina Mauel, die einen sinnlichen Rausch aus Farben und Bewegung in die sachlichen Mauern tragen.

Idee, Handwerk und Intuition

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Werken aus der Galerie Partout

14 Künstlerinnen und Künstler hat Dr. Ursula Clemens-Schierbaum unter Vertrag. Das sei eine gute Zahl, sagt sie, wenngleich immer wieder neue anklopften. Auch Bettina Mauel gehörte zu denjenigen, die baten, von Partout®vertreten zu werden. Wann sagt die Galeristin ja, wann nein? „Ich muss irgendetwas Besonderes sehen, ich muss mich in die Kunst verlieben. Ich muss immer etwas Neues entdecken, wenn ich hingucke“, antwortet sie. Im Grunde müsse Dreierlei zusammenkommen: „Idee, Handwerk und Intuition.“ Sie veranschaulicht: „Ich bin zum Beispiel keine Künstlerin, auch wenn mich manche Besucher das fragen. Ich kann vielleicht ganz gut fotografieren, aber da gibt es so ein notwendiges einzigartiges Fünkchen, was den Künstler unterscheidet von einem guten Fotografen oder Töpfer.“

Partout® Portfolio

Die Galerie Partout in Herkenrath hat 14 Künstlerinnen und Künstler unter Vertrag:
Michael Broerman, Judith Farro, Friedrich Förder, Else und Petra Giesberg, Masaki Hagino, Rolf Jahn, Heike Manleitner, Bettina Mauel, Veronika Moos, Wolfgang Neisser, Detlev van Ravenswaay, Eneka Razquin und Uwe Tillmann.
Kostproben ihrer Kreativität sind stets in einem Raum als Dauerausstellung zu sehen.

Kunst ist notwendig

Wie ein Lebensmittel, so ist Kunst für Dr. Ursula Clemens-Schierbaum etwas Notwendiges, Unverzichtbares in Gesellschaft und Leben. Wohl deshalb fiel ihr – bei einem Existenzgründerinnen-Seminar der Stadt – für die Galerie als treffender Name „Partout“ ein: Das französische Wort bedeutet „unbedingt“ und „überall“. Die Herkenratherin setzt das in einen großen Zusammenhang: „Jede Zeit drückt sich in Kunst, in Bildern aus. Sie sind Zeitzeugen.“ 

Jedes Stück ist handverlesen

Kunst hat somit ganz verschiedene Gesichter, auch in den hellen Galerieräumen. „Entscheidend ist für mich, um Kunst zu bewerten: Ich muss sie immer im Original sehen“, erklärt Dr. Ursula Clemens-Schierbaum. Das gilt auch für die Werke, die sie letztendlich für Partout® auswählt. Jedes ist selbstbetrachtet, handverlesen. Und manchmal sogar ein klein wenig von ihr beeinflusst. Denn als rührige Galeristin gibt sie ihren Künstlerinnen und Künstlern Denkanstöße, bringt neue Blickwinkel ein. „Ich empfinde es als meine Aufgabe als Galeristin, dass ich eng mit allen zusammenarbeite.“ Stets unter dem Leitgedanken: „Wo ist das, was dich als Künstler ausmacht?“

Mindestens einmal pro Jahr besucht Dr. Ursula Clemens-Schierbaum ihre Künstlerinnen und Künstler in den Ateliers: „Es ist wichtig, dass es eine gute Beziehung ist.“ Eine durchaus aufwändige Sache, denn Veronika Moos und Judith Faro sind beispielsweise viel in Frankreich tätig, Masaki Hagiro lebt in Amsterdam.

„Geld bekomme ich erst, wenn ich Kunst verkaufe“

Bei dem Engagement, das sie in ihre Künstler steckt, denkt die Partout®-Chefin derzeit nicht an Neuzugänge. „Zumal ich von den Künstlern kein Geld bekomme, sondern erst dann, wenn ich ihre Kunst verkaufe.“ Was in Corona-Zeiten und angesichts des Öffnungsverbots eine Herausforderung ist. Das vergangene Jahr war schwer, das neue Jahr bisher auch, denn die Kosten laufen weiter: Miete, Heizung, Versicherungen, Werbemittel, Telefon …

Für Künstler ist es ebenfalls eine wirtschaftlich schwierige Zeit. Galerien sind dicht, Ausstellungen abgesagt, doch Atelier und Arbeitsmittel verschlingen weiterhin Geld – genau wie das Leben selbst. „Alle haben den Anspruch, von ihrer Kunst alleine leben zu können“, weiß die Galeristin. „Sie schaffen das auch. Das macht es für die Künstlerinnen und Künstler schön und schwer zugleich.“

„Eine kunstinteressierte Stadt“

Das weiße Haus voll Kunst hat sich inzwischen herumgesprochen. Sogar von Essen, Mainz und Berlin kamen Ausstellungsbesucher durch Kontakte über Messen, Presseartikel und Mund-zu-Mund-Propaganda. Man müsse sich bekannt machen und eine hochwertige, interessante und in sich stimmige Mischung präsentieren, erklärt die Galeristin ihr Erfolgsrezept. Der Standort sei auf jeden Fall gut. „Bergisch Gladbach ist eine kunstinteressierte Stadt.“ Beeindruckt habe sie eine alte Dame, die nie zuvor in einer Galerie gewesen sei und beim fünften Partout®-Besuch ein Kunstwerk erworben habe. „Jetzt erzählt sie mir bei jedem Wiedersehen von ihrem Glück mit diesem Bild.“ Ein anderer habe erklärt, endlich biete der Ort mal etwas, das ihn interessiere – „und dann hat er, zack, eine dicke Bronze mitgenommen.“ 

Bei „Neustart Kultur“ durchgesetzt

Das war vor dem Lockdown. Dr. Ursula Clemens-Schierbaum weiß um die Notwendigkeit dieser Maßnahme: „Es ist bitterernst.“ Trotz geschlossener Galerie bleibt sie jedoch aktiv: „Ich nutze die Zeit für Akquise, Aufräumen, Projekte-Konzipieren.“ Vor allem plant sie die nächste Ausstellung „Es weilt in mir“ mit Werken von Masaki Hagino. Deren Fixkosten werden bezuschusst, da Partout® bei der bundesweiten Ausschreibung „Neustart Kultur“ in die illustre Riege der förderungswürdigen Galerien aufgenommen wurde. Ein Glanzlicht, das Dr. Ursula Clemens-Schierbaum umso hartnäckiger an ihrem Ziel festhalten lässt: „Ich will eine Kulturgröße in Bergisch Gladbach werden.“

Text: Ute Glaser
Fotos: Ute Glaser

Kontakt
Partout® Kunstgeschichte & Kunstkabinett
Dr. Ursula Clemens-Schierbaum
Straßen 85
51429 Bergisch Gladbach


Telefon: 02204 425238 und 02204 4804094
E-Mail: kontakt@71aa0b71fa004041b6e82311c9d752fbpartout-kunstgeschichte.de
Web: www.partout-kunstgeschichte.de
instagram: @partout.kunstgeschichte
YouTube: Partout® Kunstkabinett

Öffnungszeiten:
Dienstag, Donnerstag und Freitag 16 bis 19 Uhr, Samstag 11 bis 13 Uhr und nach persönlicher Vereinbarung

Jederzeit Online-Besichtigung und -Kauf von Kunstwerken auf der Website, Besichtigung der aktuellen Ausstellung auf YouTube

Aktuelle Ausstellung „Kontrapost“

Derzeit präsentieren zwei Künstler ihre Werke bei Partout®:
Wolfgang Neisser zeigt in den Kunstkabinetten digitale Collposings aus der Serie „Europäische Metropolen, Zeitge(h)schichten und Watergate“ Sie gleichen Suchbildern, versprühen Wissen, Witz und Ästhetik und sorgen auch als Leuchtobjekt für Furore.
Bettina Mauel, Schülerin von Gerhard Richter und Gotthard Graubner, stellt in der großen Halle großformatige, faszinierend dynamische, farbgewaltige Ölgemälde aus. Sie zeigen vor allem Szenen aus den Bereichen Tanz und Bewegung.

Ausstellung bis 31. März 2021 verlängert
Künstlergespräch mit Bettina Mauel: Donnerstag 4. und 11. März, Samstag 20. März, Freitag, 26. Februar 2021
Künstlergespräch mit Wolfgang Neisser: Dienstag 2. und 9. März, Donnerstag 18. März, Samstag 27. März

Anschließende Ausstellung: „Es weilt in mir“ mit Werken von Masaki Hagino

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Friedrich-Ebert-Straße 75
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Telefax: +49 2204 9763-99

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