Auf dem Weg zur nachhaltigen Kreislaufwirtschaft

04.05.2021
Auf dem Weg zur nachhaltigen Kreislaufwirtschaft

Plastik – bei diesem Wort denken viele zuerst an Plastikmüll und negative Umweltauswirkungen. Die Barlog Plastics GmbH beschäftigt sich als Entwickler und Veredler von technischen Kunststoffen und Hochleistungskunststoffen seit 25 Jahren mit dem Werkstoff und hat sich in Overath zu einem mittelständischen Betrieb mit 100 Mitarbeitern entwickelt. Warum Kunststoff viel mehr wert ist, als Einwegplastik zu sein und wie der Kunststoffveredler dazu beiträgt, die Voraussetzungen für eine künftige nachhaltige Kreislaufwirtschaft zu schaffen, lesen Sie hier im Interview mit dem Geschäftsführer Peter Barlog.

Herr Barlog, Sie nutzen als Kunststoffveredler Plastik, das beim Thema Umwelt ein schlechtes Image hat. Wie sehen Sie da Ihre Verantwortung?

Peter Barlog

„Wir alle schaffen durch unsere Lebensweise und unseren Konsum eine Umweltbelastung, als hätten wir drei Planeten zur Verfügung. So können wir nicht weitermachen. Wir müssen dringend etwas unternehmen. Natürlich wollen wir als Unternehmen unseren Beitrag dazu leisten.
Die Kunststoffbranche wird, vor allem wegen der kurzlebigen Einwegprodukte aus Plastik, als typisches Beispiel für die Wegwerfgesellschaft und ein lineares Wirtschaftsmodell wahrgenommen: billig produzieren, kurz verwenden und dann wegwerfen. Da sehen wir unsere Verantwortung als Branche. Sicher können wir als kleines Unternehmen nicht das ganz große Rad drehen, aber wir setzen uns mit dem Thema Nachhaltigkeit intensiv auseinander und treiben dies nach vorne. Uns ist aber auch eine differenzierte Betrachtung des Werkstoffs Kunststoff wichtig. Kunststoffe, und ganz besonders unsere Hochleistungskunststoffe, sind viel mehr als billiges Plastik. Sie ermöglichen durch ihre Isolationswirkung erst die moderne Elektrotechnik und Elektronik, reduzieren den Kraftstoffverbrauch von Autos und Flugzeugen und sind ein wichtiger Werkstoff für die Technologien der Energiewende. 

Inwiefern kann Kunststoff denn eine positive Wirksamkeit darstellen?

„Lassen Sie mich die Automobilproduktion als Beispiel nennen: In einem typischen KFZ finden wir etwa 25 Prozent Kunststoffanteil. Würden stattdessen Werkstoffe wie Stahl oder Aluminium verbaut, kämen die Fahrzeuge auf ein Vielfaches mehr an Benzinverbrauch, was wiederum zu einer deutlich höheren Umweltbelastung führen würde. Da stellt Kunststoff eine positive Wirksamkeit dar. Auch der Umstieg auf Elektromobilität ist ohne Kunststoff nicht machbar. Diese Werkstoffgruppe wird eine sehr wichtige Rolle spielen, auch um unsere gesamte Energiewirtschaft zu transformieren. Windräder, Solarzellen – alles kaum denkbar ohne Kunststoff.

Plastik und Nachhaltigkeit scheint dennoch schwer vereinbar zu sein. Haben Sie eine Lösung?

„Das große Problem ist, dass dieses Thema von ungeheurer Komplexität ist. Daher ist es wichtig, sich damit in Gänze auseinanderzusetzen. Wenn man sich bei der Herstellung von Kunststoffteilen den Energieverbrauch anschaut, werden je nach Materialverbrauch und Bauteil 60 bis 80 Prozent des gesamten ökologischen Fußabdrucks auf das Rohmaterial fallen. Den Rest kann man als Unternehmer durch Energiesparen und nachhaltige Energiequellen beeinflussen. Das Wichtigste aus unserer Sicht ist, die Kunststoffe in einen Kreislauf zu führen, das heißt, zu recyceln. Das ist ein ziemlich großes Rad, was man da drehen muss – auch auf politischer Ebene. Um das zu erreichen, wird es noch viele Jahre dauern, aber wir haben uns als Branche bereits auf den Weg gemacht und wollen einen großen Beitrag leisten.“

Was kann Barlog Plastics als Kunststoffveredler schon jetzt zur nachhaltigen Wirtschaft beitragen?

„Wir produzieren beispielsweise Materialien aus PET-Flaschen, die aus einem der wenigen heute schon funktionierenden Kreisläufe stammen. Wir nutzen das Material, das nicht mehr zu einer neuen Flasche werden kann, und stellen daraus Produkte her, durch die im Automobilbau, in der Elektrotechnik und in Haushaltswaren beispielsweise andere technische Kunststoffe ersetzt werden können. Damit ergreifen wir die Chance, den ökologischen Fußabdruck deutlich zu reduzieren, um am Ende eine Basis zu schaffen, um immer mehr Kunststoffe zu recyceln und in den Kreislauf zurückzuführen.“

Wie ist der Weg der Flasche zum technischen Kunststoff, den Sie als Unternehmen nutzen?

„Nachdem wir als Verbraucher die Kunststoffflaschen in die Automaten eingeführt haben, werden sie zu Ballen gepresst und in den Recycling-Unternehmen geschreddert, aussortiert und gewaschen. Dann wird das Material aufbereitet, gefiltert und gereinigt, sodass aus den gebrauchten PET-Flaschen wieder Neue hergestellt werden können. Hier entsteht ein Anteil, der mit den Jahren dunkler wird und nicht mehr eingesetzt werden kann. Das sind zum Beispiel Rohstoffe, die wir dann einsetzen. Wir fertigen daraus Produkte, die man im Automobilbereich zum Beispiel zur Herstellung von Batteriehalterungen oder Bedienungs-Hebeln einsetzen kann.“

Sie sprechen von Kreislaufwirtschaft. An der Stelle sind wir doch erst auf dem Weg dorthin.

Zum Beispiel: Ein Löffel aus recyceltem Kunststoff

„Genau, aber das ist die Basis. Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir die Kunststoffe nach zehn Jahren aus dem Auto zurückbekommen und in den Recyclingkreislauf zurückführen, um wieder ein neues Produkt daraus herstellen zu können. Das sind die großen Aufgaben, die in den nächsten Jahren gelöst werden müssen. Da sind wir aber noch relativ weit von entfernt. So werden heute bei Elektrogeräten, die wir als Verbraucher zum Händler zurückbringen, eher die wertvollen Metalle herausgeholt und der Großteil der übrigen Materialien landet in der Müllverbrennungsanlage. Es muss ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass nicht nur die Metalle wertvoll sind, sondern eben auch der Kunststoff. Da sind noch viele Aufgaben zu lösen, die wir als Wirtschaft allein nicht stemmen können. Hier sind Allianzen notwendig, an denen Verbände und Politik beteiligt sind. Und der Verbraucher natürlich, der sich für Produkte entscheiden muss, die langlebig und recyclingfähig sind, aus recyceltem Material hergestellt wurden und leicht repariert werden können. Dafür muss er am Ende auch bereit sein, etwas mehr Geld auszugeben. So wird die Entwicklung einen großen Anschub bekommen.“

Was können Sie als Unternehmer tun?

Barlog setzt Sonnenkollektoren ein

„Wir unterstützen das große Ziel der EU-Kommission: Klimaneutralität bis 2050. Nach und nach werden wir unser Sortiment an recycelten Materialien ausweiten. Seit Anfang des Jahres haben wir komplett auf Strom aus erneuerbaren Energiequellen umgestellt und wir produzieren einen Teil unseres Energiebedarfs selbst mit Solarzellen. Neben Job-Bikes für Mitarbeiter werden sie auch darin gefördert, Elektrofahrzeuge zu nutzen. Dafür wird im Laufe des Jahres am Barlog-Standort in Overath eine Lade-Infrastruktur erbaut. Wir gehen das Ganze systematisch an und analysieren fortlaufend, wo die großen Hebel sind, um das Unternehmen nachhaltiger zu machen. Darüber hinaus sind wir auch in Verbänden aktiv. Als Vorstandsmitglied des kunststoffland NRW e.V. bringen wir die Akteure der Wertschöpfungskette Kunststoff zusammen und erarbeiten mit Industrie und Politik Lösungen für gemeinsame Herausforderungen beim Thema Nachhaltigkeit.“ 

Die Frage wird sein, was sind die Kunden bereit mehr zu zahlen.

„Man muss sich keine Illusionen machen. Wir werden eine Kreislaufwirtschaft sicher nicht zu den gleichen Konditionen hinbekommen, wie heute im linearen Wirtschaftsmodell. Da muss die Politik entsprechende Signale setzen. Sicher ist, es ist völlig unabhängig davon, in welchem Bereich man sich als Unternehmen bewegt – jeder einzelne ist aufgerufen etwas zu tun.“

Am Ende ist es wichtig, dass der Einzelne auf die Dinge schaut, die wirklich etwas bewegen. Wir fangen beispielsweise im Supermarkt damit an…

„Stimmt. Aber man muss schon genau beachten, was man kauft. Wenn man eine Verpackung kauft, die mit ‚70 Prozent weniger Plastik‘ propagiert wird, aber dafür eine nicht recycelbare Papierverpackung mit Kunststoffbeschichtung hat, die in der Müllverbrennung landet – hat man vermeintlich etwas Ökologisches gekauft, was gar nicht ökologisch ist. Es wird leider auch sehr viel Greenwashing betrieben, um den Wunsch der Verbraucher nach mehr Nachhaltigkeit mit vermeintlich einfachen Lösungen und plakativen Botschaften zu erfüllen. Aber eins ist inzwischen klar: Nachhaltigkeit ist ein sehr komplexes Thema – da muss man schon genauer hinschauen. Das Thema Ökobilanzierung muss hier auch in der öffentlichen Diskussion eine größere Rolle spielen.“ 

Klimaneutralität bis 2050 – das sind nur noch 29 Jahre. Nicht viel für ein so großes Ziel.

„Wichtig ist, sich jetzt damit auseinanderzusetzen. Was bedeutet das für das Unternehmen? Welche Schritte müssen gegangen werden, um mitzugestalten? Das sind die Fragen, die man sich jetzt stellen muss. Wenn wir unsere Wirtschaft vom linearen Modell zum Kreislauf transformieren und den gesamten Energiesektor nachhaltig machen, bietet es auch jede Menge Chancen für neue Produkte oder sogar neue Wirtschaftszweige. Jedem bietet sich die Möglichkeit, seine Produkte dort zu verkaufen, wo es bisher nicht möglich war oder Neue zu entwickeln, um seinen Beitrag zu leisten. Daraus kann man einen großen Vorteil fürs eigene Unternehmen schaffen.“

Barlog Plastics ist auf dem Weg, um seinen CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Sie haben sich das Ziel gesetzt, deutlich früher als 2050 fertig zu werden.

„Beispielsweise in der Automobilindustrie tut sich gerade auch viel. Dann können wir zeitnah größere Schritte tun, als dies bisher der Fall war. Möglichst viel Recyclingmaterial einzusetzen ist einer der größten Hebel, da gibt es neue Möglichkeiten und Anforderungen.
Die Kunststoffteile aus recyceltem Material von Barlog Plastics haben immer den Anspruch, mindestens annähernd so gut zu sein wie Neuware. Vor allem, was Qualitätskonstanz, Spezifikation und Dokumentation betrifft, gehen wir neue Wege. In der Kunststoffindustrie macht der Werkstoff zwischen 60 und 80 Prozent des CO2-Fußabdrucks aus. Die nächste Größe ist, auf nachhaltige Energiequellen umzusteigen. Das wird auch eine Herausforderung der gesamten Industrie werden. Denn, wenn große Stahl- und Chemiekonzerne nachziehen wollen, wird es vermutlich eng mit der Verfügbarkeit. Aber da sind wir schon versorgt, da wir bereits auf erneuerbare Energiequellen umgestellt haben.“

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview mit dem Geschäftsführer Peter Barlog führte Birgit Franke für die RBW.

Kontakt:

BARLOG Plastics GmbH
Am Weidenbach 8-10
51491 Overath
Tel.: +49 2206 90851-100
Mail: kontakt@b27975bd74744efc8cf03981358f1afdbarlog.de
Web:  www.barlog.de

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