:aqualon trifft Wirtschaft – und berät sich über Starkregen- und Hochwasserschutz für Unternehmen

17.05.2019
:aqualon trifft Wirtschaft – und berät sich über Starkregen- und Hochwasserschutz für Unternehmen

Meteorologen können vor heftigen Niederschlägen warnen, aber sie können nicht voraussagen, wo genau diese eintreten werden. Der so genannte Starkregen setzt als Folge der Klimaerwärmung immer häufiger ein und führt teilweise zu erheblichen Schäden. Um Firmen in Rhein-Berg für dieses Problem zu sensibilisieren, hatte die RBW in Zusammenarbeit mit dem Verein Bergische Wasserkompetenz Region :aqualon zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, die gleichzeitig den Auftakt der neuen Reihe "aqualon trifft Wirtschaft" bildete. Mehr als 70 interessierte Zuhörer aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung kamen in den Sitzungssaal des Kreishauses in Bergisch Gladbach.

Landrat Stephan Santelmann begrüßte die Gäste

Hochrangige Fachleute führten in ihren Vorträgen aus, dass eindeutig mit einer Zunahme von Starkregen-Ereignissen zu rechnen sei und die damit verbundenen Schäden durch Hochwasser oder Schlammlawinen die Produktion in den Betrieben beeinträchtigen können - bis hin zum völligen Produktionsausfall. RBW-Geschäftsführer Volker Suermann, der die Veranstaltung moderierte, sprach von einem Problem "mit erheblicher Relevanz für die Unternehmen". Die Betriebe müssen Vorsorge treffen, um größere Schäden abzuwenden. Rhein-Bergs Landrat Stephan Santelmann pflichtete ihm bei: "Dieses Thema muss uns beim Kreis und in der Politik wichtig sein. Es handelt sich um eine riesengroße Herausforderung."

Diplom-Meteorologe Guido Halbig vom Deutschen Wetterdienst erläuterte die Ursachen und Zusammenhänge des Klimawandels und dessen Auswirkungen für die Menschheit. Dr.-Ing. Torsten Frank vom Wupperverband bezog konkret zu den Themen Klimawandel und Starkregen im Bergischen Land Stellung. Dipl.-Ing. Elke Reichert, Leiterin des Amtes für Umweltschutz beim Kreis, informierte über Verantwortlichkeiten und gesetzliche Rahmenbedingungen. Konkrete Schutzmaßnahmen für Gewerbe- und Industriebetriebe vor Überschwemmung und Starkregen stellte Reinhard Vogt vom HochwasserKompetenzCentrum Köln vor.

Die Veranstaltungsreihe "aqualon trifft Wirtschaft" soll - mit der RBW als ständigem Partner - künftig im regelmäßigen Wechsel mit der Reihe "aqualon trifft Wissenschaft" angeboten werden.

Infos zu den Vorträgen:

Guido Halbig, Leiter der Niederlassung Essen des Deutschen Wetterdienstes

Halbig stellte seinen Vortrag unter die Frage: "Was bedeutet der Klimawandel für die Menschheit?" Klimaforscher gehen von einer Erderwärmung von bis zu 5 Grad Celsius bis Ende dieses Jahrhunderts aus. "Das Wetter", so der Meteorologe, "wird bis dahin komplett anders: Hitze, Sturm und Starkregen." Dies habe erhebliche Konsequenzen für die Arbeitsproduktivität. Sie werde stark eingeschränkt, zumal dann, wenn keine Klimaanlagen in Gebäuden vorhanden sind. Halbig: "Im schlimmsten Fall kann das bis zum kompletten Produktionsausfall gehen." Weitere Folgen der Erderwärmung seien verminderte Kraftwerksleistungen, Waldbrände, sowie Probleme für die Landwirtschaft und damit für die Ernährung. Die Ozeane würden saurer, das Grundwasser werde weiter abgesenkt. Auch am Artensterben in der Tierwelt trage der Erderwärmung eine Mitschuld. Das alles könne so weit gehen, dass man, so Halbig, eines Tages von einem "chaotischen Klimasystem" sprechen werde.

Dr. Torsten Frank, Wupperverband

Der Wupperverband betreut Flüsse und Bäche im Bergischen Land auf einer Gesamtlänge von rund 2.300 Kilometern. "Starkregen ist bei uns seit Jahren ein Dauerthema", betonte der Fachmann. Doch auch bei den Versicherungen stehe es mittlerweile ganz oben auf der Agenda, weil Schäden im privaten Bereich immer häufiger reguliert werden müssten. Dabei, so Frank, seien keineswegs nur die Anrainer von Wasserläufen betroffen. Auch Häuser in Hanglage könnten von Erdlawinen getroffen werden. Überflutungen im Bereich der Kanalisation setzten Keller unter Wasser. Das alles könne sich lokal sehr begrenzt abspielen. Der Begriff des "Jahrhundert-Hochwassers" habe sich, so Frank, längst aufgeweicht: "Ein derartiges Ereignis kann in Zukunft durchaus alle zehn Jahre auftreten. Wir vom Wupperverband haben darauf reagiert und die Stelle eines Hydrologen vom Dienst eingeführt. Wir sind auf derartige Naturereignisse gut vorbereitet."

Elke Reichert, Leiterin des Amtes für Umweltschutz, Rheinisch-Bergischer Kreis

Die Diplom-Ingenieurin bezog Stellung zu den Verantwortlichkeiten der kommunalen Verwaltungen und zu den gesetzlichen Rahmenbedingungen. Darüber hinaus sei die Vorsorge vor Hochwasser und der Schutz vor drohenden Schäden "aber auch eine Gemeinschaftsaufgabe". So könne sich jeder Bürger anhand der Hochwasser-Seite im Internetauftritt der Kreisverwaltung darüber informieren, wie gefährdet sein Grundstück oder sein Haus ist. Reichert: "Es gibt viele Überschwemmungsgebiete in Rhein-Berg und entsprechende Hürden bei der Erteilung einer Baugenehmigung." Die Verwaltungen legten verstärkt Wert auf eine dem möglichen Hochwasser angepasste Bauweise. Dennoch müsse man klar sagen, dass zum Beispiel die Kanalisation nicht darauf ausgelegt sein könne, "grundsätzlich jedes Regenereignis abzufedern". Auch die Nachrüstung von Heizungsanlagen sei von zunehmender Bedeutung und deshalb gesetzlich geregelt.

Hier geht es zur Hochwasser-Seite der Kreisverwaltung

Reinhard Vogt, HochwasserKompetenzCentrum (HKC e. V.) Köln

Der oft auch als "Hochwasser-Papst von Köln" bezeichnete Fachmann übte unverhohlen Kritik an vielen kommunalen Verwaltungen. Diese hätten eine Fürsorgepflicht gegenüber den Bürgern. Und allgemeine Warnungen über Internetauftritte reichten da nicht aus. Es müsse "in jeder Kommune einen konkreten Kümmerer" geben und auch in jedem Industriebetrieb sei der Hochwasserschutz verpflichtend. Vogt beklagte zum Teil erhebliche Nachlässigkeiten bei der Planung von Gebäuden: "Architekten haben keine Ahnung von Hochwasser!" Außerdem habe die Allgemeinheit eine "gewisse Hochwasser-Demenz" noch immer nicht ablegen können. Sollte heißen: Nur kurze Zeit nach einem Schadensereignis sei schon alles wieder vergessen. Vogt stellte eine Reihe von Beispielen vor, wie mit geringem Aufwand ein spürbarer Hochwasserschutz auch im privaten Bereich herzustellen sein - so etwa durch Aufkantungen bei Lichtschächten für Kellerräume oder auch bei der Handhabung von Rückstau-Ventilen: "Dafür muss man natürlich aber wissen, wo sie sich befinden." Klar sei aber auch, dass sich der genaue Schauplatz eines Starkregen-Ereignisses in der Meteorologie nicht voraussagen lasse.

Zur weiteren Information empfiehlt die RBW folgende Merkblätter und Checklisten:


Auf dem Bild sind von links nach rechts zu sehen: Volker Suermann, Guido Halbig, Reinhard Vogt, Elke Reichert, Dr. Torsten Frank, Stephan Santelmann und Birgit Bär

Autor: Malte Ewert
Fotos: Katharina Krause, Rheinisch-Bergischer Kreis 

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