Interview mit Marcus Otto als Reaktion auf den Bund-Länder-Beschluss

„Das macht unsere Stärke aus: Ein verantwortungsvoller und verantwortungsbewusster Umgang!“

Die vorgestellten Lockerungen zum Schutze vor dem Coronavirus werden von Handwerk und Handel begrüßt. Der Geschäftsführer des Handelsverbands NRW – Rheinland und der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land in Personalunion, Marcus Otto, beschreibt den Bund-Länder-Beschluss generell als wohl überlegt. „Die Politik vollzieht eine Gratwanderung zwischen Gesundheitsschutz und wirtschaftlichen Erfordernissen. Dieser Kompromiss zeigt die Stärke unseres Landes: Ein verantwortungsvoller und verantwortungsbewusster Umgang!“

Handwerk: Autohäuser dürfen ab dem 20. April und Friseure ab dem 04. Mai 2020 wieder öffnen.

Herr Otto begrüßen Sie die mögliche Öffnung der Autohausverkaufsräume?

Marcus Otto: Ja, sehr! Die Kfz-Branche ist kein Bereich, wo in der Vergangenheit Massen hineingelaufen sind. Außerdem sind hier sehr große Verkaufsflächen vorhanden. Die Möglichkeit, die nötigen Abstände einzuhalten, sind gegeben. Daher sehen wir die Wieder-Eröffnung als sehr gute Konsequenz. Autohäuser sind keine „Virenschleudern“.

Wie sieht es bei den Friseuren aus?

Marcus Otto: Einen festen Termin zu benennen, das ist eine positive Entscheidung. Jetzt haben die Friseure Zeit, sich auf die Maßnahmen einzurichten, die bis zum 04. Mai ergriffen werden können: u.a. Hygienemaßnahmen, ggfs. Trennwände zwischen den einzelnen Stühlen, Gesichtsschutzmasken für Friseure und Kunden sowie Desinfektions-Handschutz. Worüber sich die Betriebe sicherlich Gedanken machen müssen, ist die Preisgestaltung. Die Maßnahmen, die jetzt ergriffen werden, sind auch teurer als der sonst übliche Kostenrahmen. Das bedeutet unter anderem auch, dass der ein oder andere Friseur aus betriebswirtschaftlichen Gründen, die Kosten weitergeben muss und demnach die Preise eventuell moderat angehoben werden müssten.

Kommen wir zum Einzelhandel. Alle Geschäfte mit bis zu 800 qm Verkaufsfläche dürfen ab Montag, 20. April, wieder öffnen. Eine gute Entscheidung?

Marcus Otto: Ganz ehrlich, ich hätte mir eine andere Art und Weise des Vergehens gewünscht. Bei einer Einheit mit mehreren tausend Quadratmetern beispielsweise hätte man mit Eingangskontrollen und mit Hygienemaßnahmen verantwortungsbewusst mit der Situation umgehen können. Zudem verteilen sich die Menschen auf einer großen Fläche manchmal auch noch besser als auf kleineren Flächen. Von daher halte ich die 800 qm für ein wenig „gewillkürt“. Ich hätte mir hier einen weitergehenden Schritt gewünscht.

Wie viele Geschäfte fallen denn schätzungsweise unter die 800 qmGrenze?

Marcus Otto: Also der familiengeführte Einzelhandel wird sich in dieser Größenordnung meistens befinden. Es gibt sicherlich Grenzbereiche. Aber das betrifft schon einen sehr großen Teil. Aus diesem Grund kann man diesen Schritt natürlich befürworten, da nun wieder Geld erwirtschaftet werden kann.

Abschließend und passend zum derzeitigen Wetter ist es ebenso erfreulich, dass die Fahrradhändler ab Montag, 20. April, wieder den Verkauf beginnen dürfen?

Marcus Otto: Das ist sehr gut. Gerade jetzt in der Zeit des Frühjahrs, wo die Vorbereitungen für den Sommer getroffen werden und viele Fahrradfahren möchten, finden wir auch diese Öffnung sehr wichtig. Elektromobilität hat ja auch einen sehr guten Charakter in ElektroFahrrädern gefunden und ich glaube, viele Menschen haben darauf gewartet, dass sie in diesem Segment wieder einkaufen können.

Die Ministerien entscheiden heute (Donnerstag, 16. April 2020) über diesen Entwurf von Bund und Ländern, so dass heute Abend die aktuelle Verordnung des Landes NRW zu erwarten ist. Hier können selbstverständlich noch Maßnahmen konkretisiert oder angepasst werden.

Quelle: Kreishandwerkerschaft Bergisches Land

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